Wiesenpflege

Das Gras wächst, viele juckt es in den Fingern, den Rasenmäher herauszuholen, mancher hat bereits gemäht. Doch - wie mäht man richtig?

Die Blühenden Naturparke in Baden-Württemberg informieren:

Wiesenpflege
Geduld ist die wichtigste Zutat für eine gelungene Wildblumenwiese. Auch wenn bei dem kräftigen Wachstum im April und Mai der Aktionismus ruft, sollten artenreiche Wiesen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gemäht werden. Denn mäht man zu häufig, schadet man Insekten, Vögeln, Amphibien und den Wildpflanzen.
Zwei Mähdurchgänge im Jahr fördern die Blütenvielfalt und nehmen Rücksicht auf Wiesenbewohner. Dabei gibt es für die notwendige Mahd keinen perfekten Zeitpunkt. Egal welchen Zeitpunkt Sie wählen, Sie werden durch Ihren Eingriff immer einigen Tier- und Pflanzenarten nützen und anderen schaden. Um in der Wiese überwinternde Insekten nicht „wegzumähen“, Raupen die Zeit zu geben, die sie zur Entwicklung brauchen und Nektarsammlern nicht die Blüten vor der Nase abzuschneiden, sollte ein erster Schnitt im Juni oder Juli durchgeführt werden. Wird noch später geschnitten, verschwinden kleine Arten wie Glockenblumen, weil sie im hohen Wuchs kein Licht mehr bekommen.
Eine zweite, späte Mahd kann zwischen September und Oktober eingeplant werden. Um die Artenvielfalt zu unterstützen, können Sie jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt mähen.
Wildpflanzen wachsen auf nährstoffarmen Böden besonders artenreich. Das Abräumen des Mähguts ist daher entscheidend. Bleibt der Grasschnitt liegen, gelangen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder zurück in den Boden. Außerdem entsteht durch das verrottende Material ein Filz. Viele Gräser können ihn einfach durchwachsen, aber viele andere Pflanzen, darunter viele schöne Wiesenblumen, kommen nicht damit klar, sie vergammeln und gehen ein.
Wer eine artenreiche Wiese möchte, sollte keinesfalls stickstoffreich düngen. Die Gräser nutzen das Nährstoffangebot rasch und effektiv, das führt zu dicken, einheitsgrünen Flächen - die bunten Blumen werden schlicht verdrängt.

Was tun bei Flächen mit hohem Grasanteil?
Besonders auf Flächen mit guter Nährstoffversorgung können Gräser die Fläche dominieren. Zur Abmagerung kann für ein paar Jahre auf eine drei- oder sogar viermalige Mahd mit anschließendem Abtragen des Mähguts umgestellt werden. Solange man so oft mäht, muss man sich allerdings von sämtlichen Blüten verabschieden. Witwenblumen, Wiesenbocksbart und Glockenblumen haben erst eine Chance, sich auszubreiten, wenn die Fläche etwas weniger Nährstoffe bietet und die Pflege wieder auf eine zweischürige Mahd umgestellt wird.
Auch möglich ist eine Ansaat des gräserschmarotzenden Klappertopfes, einer gelb blühenden Pflanze, die die Gräser anzapft, ihnen vor allem Wasser klaut und sie so schwächt. Das Gras bleibt niedriger, andere Pflanzen finden dazwischen wieder Licht und Luft.

Tierschutz
Ein einzelner Schnittdurchgang kann beispielsweise bei Verwendung eines Mulchers bis zu 90% aller Insekten töten. Wie kann das vermieden werden?
Die Mahd mit einem Balkenmäher oder einer Sense ist am schonendsten. Rotationsmähwerke sind Mulchgeräten immer vorzuziehen. Auf einen Mähaufbereiter sollte dringend verzichtet werden. Altgrasstreifen und ungemähten Abschnitte sind ein sicherer Rückzugsort für weniger mobile Tiere. Bei kleineren Flächen kann an immer anderer Stelle ein Streifen stehengelassen werden. Bei großen Flächen lohnt sich ein abschnittsweises Mähen.
Wichtig ist, nach einem Mähmuster zu fahren, das Tieren eine Flucht ermöglicht.

 

Bei Fragen melden Sie sich gerne unter info@naturpark-schoenbuch.de.

Hier finden Sie Informationen zum Projekt "Blühender Naturpark Schönbuch" und hier zu den landesweiten "Blühenden Naturparken".