Fallen & Barrieren
Gärten können nicht nur für Menschen Wohlfühlräume sein, sondern auch für viele Tiere Lebensraum bieten. Wer Igel und Eidechsen in seinem Garten willkommenheißen möchte, muss auf den Einsatz von sogenannten Pflanzenschutzmitteln und anderen Giften verzichten, soviel ist klar. Doch es gibt noch andere Hindernisse und Gefahren im Garten, die sich jedoch oft mit wenigen Handgriffen entschärfen lassen.
Inhalt
Durchgang erwünscht!
Igel durchqueren bei ihren nächtlichen Streifzügen etliche Grundstücke. Wo der Maschendrahtzaun bis zum Boden reicht oder Mauern den Garten begrenzen, können sie nicht hinein. Schon zehn Zentimeter Freiraum unter dem Zaun oder eine kleine Unterbrechung in der Mauer ermöglichen den stacheligen Schneckenfressern den Zugang. Trockenmauern oder Hecken aus heimischen Gehölzen sind nicht nur durchgängig, sondern bieten vielen Tieren Nahrung, Nistraum und Unterschlupf.
Abrutschgefahr
Nicht nur als Grundstücksgrenze sind glatte Wände ungeschickt. Kellertreppen, Lichtschächte, Pools, Regentonnen und steilwandige Gartenteiche bilden Fallen, aus denen nur sehr wendige Kletterer wieder entkommen. Was nicht durch einen Deckel oder ein feines Gitter gesichert werden kann, sollte mit einer Ausstiegshilfe versehen werden. Am Teich machen sich knorrige Wurzeln oder Äste wunderschön, noch besser wäre, ihn von vorneherein zumindest stellenweise mit flach auslaufenden Ufern zu bauen. Auch schräg gestellte Bretter können als Kletterhilfe zum Einsatz kommen. Backsteine auf den Stufen der Kellertreppe erleichtern zumindest Igeln und Spitzmäusen das Entkommen.
Lassen Sie auch kleine Gefäße wie Eimer, leere Blumentöpfe oder Fässer bitte nicht offen stehen. Dort sammelt sich rasch Regenwasser. Vögel und Eichhörnchen, die aus den steilwandigen Gefäßen zu trinken versuchen, fallen hinein und ertrinken. Außerdem schlüpfen innerhalb weniger Tage Stechmücken, die sich dort mangels Fressfeinden wunderbar entwickeln können.
Bieten Sie statt dieser Fallen ein flaches Vogelbad mit täglich frischem Wasser an oder legen Sie, wenn Sie die Möglichkeit haben, einen fischfreien Teich mit flach auslaufenden Ufern an. Wegen der vielen Käfer- und Libellenlarven haben Stechmücken hier keine Chance, Vögel können gefahrlos trinken und Sie das bunte Treiben entspannt beobachten.
Frösche, Kröten und Molche fallen leider recht häufig in Gullis. Eingehängte Drahtgitter ermöglichen es ihnen, wieder hinauszuklettern.
Die Fallrohre von Regenrinnen sollten oben mit einem Gitter geschlossen werden. Das verhindert nicht nur den Laubeintrag, sondern schützt auch neugierige Jungvögel davor, beim Picken in der Rinne ins Rohr zu rutschen und dort elendig einzugehen.
Auch der Kamin sollte oben verschlossen sein, beispielsweise mit einem sogenannten Dohlengitter. Die Gitter heißen so, weil gerade Dohlen gerne im Kamin Nester anlegen. Wegen des verringerten Abzugs kann das auch für die Hausbewohner riskant werden. Bringen Sie lieber außen am Kamin oder in der Nähe Nistkästen für Dohlen und Fledermäuse an.
Hoffnungslos verheddert
In Netzen über Beerensträuchern, Obstbäumen, Gartenteichen usw. können sich Vögel, Igel und selbst Dachse und Rehe verheddern und verletzen oder sterben. Wenn sich ein Einsatz wirklich nicht vermeiden lässt, wählen Sie feinmaschige, weiche, grellfarbige Netze und stellen Sie sicher, dass sie möglichst straff gespannt sind.
Hoher Preis für den Durchblick
Rund 100 Millionen Vögel sterben in Deutschland jedes Jahr an Glasscheiben. Sie nehmen die Scheibe nicht wahr, entweder ist sie durchsichtig oder Spiegelungen täuschen Sträucher und freien Luftraum vor. Da die meisten Vögel kurz nach dem Anprall durch Genickbruch oder innere Verletzungen sterben, haben sie keine Chance, zu lernen, die Scheiben zu meiden. Krähen, Marder und Füchse räumen die verletzten oder toten Vögel rasch auf, daher nehmen wir die Opfer meistens nicht einmal wahr. Aufkleber mit Greifvogelsilhouetten reichen leider nicht. Gut geeignet sind dagegen getönte Scheiben, flächige Folierungen mit hübschen Mustern oder weiße oder bunte Klebebänder, die in vertikalen Linien außen auf das Glas aufgebracht werden. Noch etwas hilft gegen Vogelschlag: seltener Fensterputzen. Durch Staub und Regenrückstände auf der Außenseite erkennen Vögel die Scheibe deutlich besser. Genauere Infos finden Sie beispielsweise unter vogelglas.vogelwarte.ch/.
Wohnungsbrand bei Familie Zaunkönig
Holzhaufen sind ausgesprochen wertvoll im Garten. Sie werden von vielen Tieren als Versteck genutzt, Zaunkönige und Rotkehlchen ziehen dort auch ihre Jungen groß. Soll ein Haufen, der sich über mehrere Tage oder noch länger angesammelt hat, dennoch verbrannt werden, schichten Sie den Stapel unbedingt um, bevor Sie ihn anzünden – Sie vermeiden ungewollte Brandopfer. Noch besser wäre es freilich, wenn der Haufen einfach liegenbleiben könnte, bis Pilze und Heerscharen von Insekten und anderen Krabblern ihn allmählich in Erde verwandelt haben. Schauen Sie ab und zu einmal vorbei, Sie werden sicherlich so manchen interessanten Käfer oder Pilz entdecken.
Hell erleuchtet
Lichtverschmutzung hat große, negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Ist es uns nachts zu hell, können wir die Rollos runterlassen, Tiere können künstlichem Licht nicht entgehen. Beleuchten Sie im Garten daher so wenig wie irgend möglich. Bewegungsmelder helfen dabei, dass Lampen nur dann leuchten, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Möglichst tief angebrachte Leuchtmittel mit gut gewählter Form leuchten die nötigen Stellen gut aus, etwa den Weg oder eine Treppe, ohne auch die umliegenden Sträucher mit Licht zu verschmutzen. Durch gelbes Licht mit einer Lichttemperatur von höchstens 3000 Kelvin (weniger wäre besser) lassen sich Insekten weniger beeinflussen als von Blautönen. Fassaden sollten gar nicht erst angestrahlt werden. Wenn es doch unbedingt sein muss, sollten die Lampen von oben nach unten strahlen, sonst wird das Licht in den Himmel reflektiert oder geht gleich an der Hauswand vorbei. Vogelnistplätze und insbesondere die Öffnungen von Fledermausquartieren niemals beleuchten.
Tödliche Helfer
Igel, Molche und Spitzmäuse fallen häufig Mährobotern zum Opfer, insbesondere wenn diese auch nachts betrieben werden. Das Überqueren der ohnehin nahrungs- und versteckarmen Rasenfläche wird zum Spießrutenlauf. Verzichten Sie auf den Einsatz von Mährobotern. Vielleicht kann der Rasen in manchen Gartenteilen sogar etwas höher wachsen? Es werden sich rasch Blumen einstellen, und mit ihnen finden Insekten wieder Lebensraum.
Natürlich ist auch der Einsatz herkömmlicher Mähgeräte gefährlich. Unser Tipp: Schauen Sie vor der Mahd genau unter Hecken und an schlecht einzusehenden Stellen nach, ob sich dort nicht ein Igel versteckt. Seine Einkugeltaktik mag vor neugierigen Hauskatzen schützen, gegen Fadenschneider hilft sie jedoch wenig. Auch Frösche und junge Vögel können Sie so aufscheuchen und ihnen eine rechtzeitige Flucht ermöglichen. Unter der Insektenwelt räumt leider jeder Mähdurchgang ganz gehörig auf. Lassen Sie am besten bei jedem Mal Mähen einen anderen Teil der Fläche stehen. Dort können sich Schmetterlinge fertig entwickeln und Heuschrecken weiter den Sommer besingen.
Deutlich lauter als die Heuschrecken sind im Herbst die Laubsauger. Ganze Heerscharen von Insekten und Spinnchen werden von ihnen eingesaugt und sterben im Gerät. Auch auf diese Geräte verzichtet man also besser und recht das Laub stattdessen zusammen. Vielleicht kann ein Teil sogar als Laubhaufen unter der Hecke liegenbleiben? So dienen die abgeworfenen Blätter als wertvolles Versteck und winterliche Futterkammer für zahlreiche Tiere.
Achten Sie bei der Gartenarbeit ein wenig auf die Tiere, die sich vor Ihrer Haustüre angesiedelt haben. Sie werden sehen, es lohnt sich sehr!







