Treten und Beißen erwünscht- es ist tierisch was los
Schottische Hochlandrinder schaffen Lebensräume und Artenvielfalt entlang der Lindenallee im Naturpark Schönbuch.


Die historische Lindenallee im Forstrevier Einsiedel liegt im Natura 2000-Gebiet, einem europäischen Schutzgebiet, welches zum Schutz gefährdeter heimischer Tier- und Pflanzenarten ausgewiesen wurde. Das offene Landschaftsbild der Allee bietet ideale Lebensräume für seltene, lichtliebende Arten. Mit einem Wechsel von sonnigen und schattigen Bereichen, lichten Flächen mit einzelnen freistehenden Linden im Übergang zum geschlossenen Wald und vielen Blühpflanzen beidseitig der Allee, ist die Lindenallee bereits ein strukturreiches Kleinod mit viel ökologischem Potential, welches weiter ausgebaut werden soll. „Die Artenvielfalt im Wald zu fördern, ist für mich ein interessanter und wichtiger Teil meiner täglichen Arbeit. Ich freue mich auf die Aufgaben zur ökologischen Aufwertung der Lindenallee und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse in den nächsten Jahren“, so Christian Koch, zuständiger Revierleiter im Forstrevier Einsiedel.
Neben der Offenhaltung der Flächen sollen auch junge Linden ausgewählt und speziell gefördert werden. So entstehen Bäume mit großen Kronen, die auch in Zukunft wertvolle Habitate für zum Beispiel verschiedene Käfer- und Vogelarten bereitstellen. Damit bereits vorhandene Strukturen erhalten bleiben, ist eine gezielte Pflege notwendig. So sind die zotteligen Rinder von Landwirt Daniel Armbruster aus Rübgarten erwünschte Helfer im Wald, denn die extensive Beweidung bringt neben der Offenhaltung weitere Vorteile mit sich: durch die Trittsiegel der Tiere und den abgegebenen Kot entstehen vielfältige und einzigartige Kleinsthabitate. Dadurch lässt sich langfristig entlang der Lindenallee ein reichhaltiges Mosaik an unterschiedlichen Strukturen entwickeln, um so vorhandene Arten zu stärken und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern. Darüber hinaus ist eine Beweidung zur Offenhaltung von Flächen im Gegensatz zur maschinellen Pflege besonders insektenfreundlich.
Die Spanische Flagge, ein hübscher tagaktiver Falter, ist auf dem dort vorkommenden Wasserdost als Nahrungspflanze angewiesen. Halsbandschnäpper und Grauspecht, zwei besondere Vertreter der seltenen Vogelarten, finden in den offenen Bereichen ebenfalls eine Fülle an Nahrung und Nistmöglichkeiten. Auch den Flugkünsten der Fledermäuse sind in der Lindenallee als Jagdhabitat keine Grenzen gesetzt. Aber nicht nur für die Artenvielfalt ist die Beweidung eine echte Bereicherung. Auch die Waldbesuchenden dürfen sich entlang der Lindenallee auf ein ganz besonderes Landschaftsbild freuen.
Über den Forstbezirk Schönbuch
Der Forstbezirk Schönbuch erstreckt sich von Tübingen im Süden bis hoch nach Stuttgart Weilimdorf im Norden und von Aidlingen im Westen bis nach Aichtal im Osten. Er umfasst rund 13.300 ha Staatswald, welcher in 10 Forstrevieren bewirtschaftet wird. Durch die Lage im Verdichtungsraum kommt der Erholungsfunktion eine besondere Rolle zu. Rund 8700 ha wurden als Erholungswald der Kategorie 1 (höchste Stufe) ausgewiesen. Daneben trägt der Forstbezirk eine besondere Verantwortung für den Waldnaturschutz. Es befinden sich darin 484 ha Waldschutzgebiete (v.a. Bannwälder), ca. 1100 ha Naturschutzgebiete und flächenhafte Naturdenkmäler, 738 ha kartierte Waldbiotope. 8150 ha liegen in einem FFH-Gebiet, 7094 ha in einem Vogelschutzgebiet nach Natura 2000.
Über ForstBW
Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes durch den Landesbetrieb ForstBW ist FSC® und PEFC™ zertifiziert. Seit dem 01. Oktober trägt ForstBW zudem das Gemeinwohl Ökonomie Zertifikat.


