Brauner Eichenzipfelfalter

Der Braune Eichenzipfelfalter mit dem klangvollen zoologischen Namen Satyrium ilicis gehört zu den Bläulingen und ist einer der größten heimischen Zipfelfalter. Die Art war historisch in praktisch allen wärmeren Naturräumen vertreten. Heute ist sie sehr selten, in ganz Baden-Württemberg sind nur noch vier Vorkommen bekannt. Eines davon liegt im Naturpark Schönbuch.

Der hübsche Bläuling benötigt für seine Raupen gut besonnte, junge Eichenbäumchen, aber auch an Stockausschlägen von Eichen kann man die Eier entdecken. Wie andere Lichtwaldarten fand der Schmetterling seinen Lebensraum ursprünglich auf Flächen, die nach einem Sturm, Waldbrand oder durch Schädlinge geöffnet worden waren. Auch die Beweidung durch große Tiere wie Rothirsch, Wildpferd, Wisent und Auerochse konnte geeignete Lichtungen schaffen und Licht auf den Waldboden bringen. Nachdem die großen Pflanzenfresser aus unserer Landschaft verschwunden waren (der letzte Auerochse beispielsweise wurde 1627 erlegt), fanden sich solche Flächen noch in Waldweiden, Nieder- oder Mittelwald. Seit der Aufgabe dieser Waldnutzungsformen ist der Lebensraum für Lichtwaldarten stark eingeschränkt.

Vorkommen im Naturpark Schönbuch

Im Schönbuch konnte der Braune Eichenzipfelfalter die Jahre überdauern, da er im Rotwildgehege vereinzelt passende Bedingungen fand – hier hat der Verbiss durch die Hirsche hier und dort geeignete Strukturen geschaffen. Etwas besser wurde die Situation für den Falter nach den Stürmen Wiebke (1990) und Lothar (1999): Jetzt gab es im Schönbuch reichlich Lichtungen und bald auch junge Eichen. Mittlerweile sind die jungen Bäume von damals aber schon zu groß für die Falter, dessen Raupen nur Eichen von höchstens drei Metern Höhe nutzen, die meisten Eier werden am Fuß von weniger als 50 Zentimeter „hohen“ Minieichen gelegt. Die Sturmlichtungen sind verschwunden – und mit ihnen der Schmetterling. Nun droht die Art auch im Naturpark Schönbuch auszusterben. 

Schutzkonzept im Schönbuch

Daher gibt es seit 2015/2016 ein Schutzkonzept für den Braunen Eichenzipfelfalter. In Teilen des Stadtwalds Herrenberg nahe der Waldweide sowie im Rotwildgatter des ForstBW-Forstbezirks Schönbuch werden gezielt für den Schmetterling geeignete Bedingungen geschaffen. Dafür werden jedes Jahr kleine Flächen im Wald gerodet, beispielsweise Fichtenbestände, die wegen der Trockenheit oder durch Käferbefall ohnehin früher oder später ausfallen würden. Anstelle der Fichten werden Eichen gepflanzt, die in den Folgejahren als Raupenfutter für den Bläuling dienen. Wenn die kleinen Eichen den speziellen Ansprüchen des Schmetterlings dann entwachsen sind, steht schon eine andere Fläche in der Nachbarschaft zur Verfügung.

Der Zipfelfalter dient hier als Schirmart für andere Tiere und Pflanzen, da in den für ihn geschaffenen offenen Waldbereichen auch zahlreiche andere Arten Lebensraum finden. In den Jahren, bevor die Eichen die Fläche wieder verschatten, finden dort lichtliebende Kräuter und Gräser gute Bedingungen. Und auch unter den Tieren gibt es sehr viele, die treffend als „Lichtwaldarten“ bezeichnet werden, weil sie besonders dort vorkommen, wo zwischen den Bäumen noch reichlich Sonnenlicht auf den Boden fällt. Beispiele sind etwa Schlüsselblumen-Würfelfalter (Hamearis lucina), Silberfleck-Permutterfalter (Bolaria euphrosyne), Grauspecht (Picus canus) und Waldschnepfe (Scolopax rusticola). Natürlich sind es noch viel mehr – bei zwei Untersuchungen wurden auf den Eichenzipfelfalter-Flächen allein 44 Tagfalter- und Widderchenarten gefunden. Das sind satte 60% der im Naturraum Schönbuch aktuell überhaupt vorkommenden Arten.

Gesucht!

Der Falter fliegt von Ende Mai bis Anfang August und ist eigentlich keine auffällige Erscheinung. Seine Flügel sind ober- und unterseits braun, die Vorderflügel der Weibchen und auch mancher Männchen haben auf der Oberseite einen orangenen Fleck. Auf den Flügelunterseiten zeigt sich ein unterbrochenes, weißes Zickzackband. Zwischen dem Band und dem Flügelrand liegen mehrere orangefarbene Flecken, und am Hinterrand der Hinterflügel sind die für Zipfelfalter typischen, kleinen, weißspitzigen „Schwänzchen“ zu sehen. Falls Sie das Glück haben, den seltenen braunen Bläuling zu entdecken, machen Sie bitte ein Foto und schicken Sie es an forsten(at)lrabb.de. Damit helfen Sie uns, Hinweise darauf zu finden, wo dieser extrem seltene Falter noch vorkommt. 

Viel Spaß bei Naturbeobachtungen im Naturpark Schönbuch!

Viele Informationen und Bilder finden Sie unter pyrgus.de und im Waldnaturschutz-Informationssystem.
Interessant ist auch die Veröffentlichung von Dalüge et. al, „Mittelwälder für den Artenschutz – erfolgreich auch ohne Mittelwaldtradition?“ standort.wald 52 (2022), 63-72