Schleppes Ritt

Am 24. November 1905 fand im Schönbuch eine Hofjagd statt, zu der König Wilhelm II. von Württemberg eingeladen hatte. Dabei ereignete sich hier an diesem Ort ein Vorfall, der als „Schleppes Ritt“ in die Schönbuchgeschichte einging.

Die Hofjagden

Unter Wilhelm II., dem letzten König Württembergs, fand im Schönbuch jeweils im Herbst eines jeden Jahres eine Treibjagd statt. Zu diesen Treibjagden, die als „Hofjagden“ in die Jagdgeschichte eingingen, lud er nicht nur Familienangehörige, sondern auch illustre Gäste ein. So spricht man von der Hofjagd im Herbst 1893, an der Kaiser Wilhelm II. teilnahm, bis heute von der „Kaiserjagd“. Nach der Jagd lud das Königspaar seine Jagdgäste zu einem Hüttendiner in die Königliche Jagdhütte ein und jeder Jagdteilnehmer trug sich dort in das Gästebuch der Jagdhütte ein.
Diese Treibjagden sind eine Form der Bewegungsjagd, bei der das Wild „gedrückt“, also von Treibern aufgestöbert und zumeist auch von Jagdhunden langsam in Richtung der vorher aufgestellten Jäger getrieben wird.
Die Vorbereitungen für diese Hofjagden dauerten mehrere Wochen und wurden vom Oberjägermeister überwacht, der seinen Sitz in der Klostermühle in Bebenhausen hatte.

Die Treiber

Die männlichen Dorfbewohner von Bebenhausen, Pfrondorf und Weil im Schönbuch verdingten sich bei den Hofjagden gerne als Treiber, denn für diesen Dienst wurden sie vom Hofjagdamt gut versorgt und entlohnt. Probleme gab es dabei allerdings immer wieder mit den Treibern aus Pfrondorf, denn, so erinnert sich der damalige Schulmeister von Bebenhausen, „sie bevorzugten im Wald die Nähe der Bierfässer und überließen den Bebenhäusern das übrige. Das schlauchte diese so sehr, dass sie darum baten, keine Pfrondorfer mehr als Treiber zuzulassen“.

Schleppes Ritt

Bei ihrer Arbeit waren die Treiber mancherlei Gefahren ausgesetzt. Nicht nur die mangelhafte Schusssicherheit von Jagdgästen konnte für sie gefährlich werden, auch das aufgescheuchte Wild konnte sie mitunter in Angst und Schrecken versetzen. So sprang bei der besagten Hofjagd am 24. November 1905 eine flüchtende Hirschkuh dem Bebenhäuser Forstwegewart Christian Schleppe zwischen den Beinen durch, hob ihn auf und trug ihn eine Strecke weit mit. Dabei verlor er seine Pfeife, die an einem Ast hängen blieb. Der Ort dieses Geschehens, also der Platz hier, wird deshalb von den alteingesessenen Dorfbewohnern von Bebenhausen bis heute „Schleppes Ritt“ genannt.