Die Waldarbeit gehört trotz stetiger Verbesserung beim Arbeitsschutz zu den gefährlichsten Tätigkeiten. Die wirkenden Kräfte im Wald, zum Beispiel durch herabfallende Äste, durch unter Spannung stehendes Holz oder abrollende Baumstämme, sind gewaltig. Hinzu kommt das schwierige Gelände, häufig weit weg von jeglicher Infrastruktur. „Unsere Forstwirte sind sehr gut ausgebildet und werden laufend geschult. Dennoch ist keiner vor einem Unfall gefeit. Vor allem bei schwerwiegenden Verletzungen zählt jede Minute. Da muss die medizinische Versorgung des Verunfallten zügig organisiert werden”, so Graf Bülow, Leiter des Forstbezirks Schönbuch. Damit die Rettungskette im Ernstfall bestmöglich funktioniert, üben Rettungskräfte, Feuerwehr und Forstleute in regelmäßigen Abständen die Zusammenarbeit bei einem Unfall im Wald.
Beim simulierten Unfall stolperte am 26. Oktober 2023 gegen 15:00 Uhr ein Forstwirt und schlug sich dabei den Kopf an - der Mann lag bewusstlos am Boden. Sein Funkgerät nahm über den sogenannten Totmannschalter (ein Gerät das bei längerer Bewegungslosigkeit ein Signal auslöst) die Bewegungslosigkeit wahr und sendete einen Notruf an die Kollegen der Arbeitsgruppe vor Ort. Diese reagierten sofort und setzten um 15:04 Uhr einen Notruf ab. Währenddessen wurde der Verletzte mit allen verfügbaren Mitteln von einem Kollegen versorgt. Der andere Kollege eilte zum Rettungspunkt, um den Rettungsdienst zum Unfallort zu bringen. Bereits um 15:20 Uhr waren die ersten Rettungskräfte vom Deutschen Roten Kreuz und der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort und versorgten den verletzten Mann. Auch der kraftzehrende Abtransport aufgrund der schwierigen Geländeverhältnisse war schnell organisiert. Bereits um 15:45 Uhr konnte der Verunfallte ins Krankenhaus transportiert werden. Aber es war zum Glück nur eine Übung.
In Anschluss wurde gemeinsam Bilanz gezogen: “Der Ablauf, die Kommunikation und die Versorgung haben bei dieser Rettungsübung gut funktioniert. Das gibt uns für die tägliche Waldarbeit ein gutes Gefühl. Dennoch ist es mir natürlich lieber, wenn erst gar kein Unfall eintritt und alle Mitarbeitenden am Abend wieder heil zu Hause ankommen”, resümiert Graf Bülow die Rettungsübung.
Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sind den Forstleuten Wegsperrungen im Wald, die im Winterhalbjahr wieder häufiger anzutreffen sind. Auch wenn keine Geräusche von Motorsägen oder Maschinen zu hören sind, gibt es immer gute Gründe für die Sperrung. Waldbesuchende, die diese Sperrungen ignorieren, setzen sich einer hohen Gefahr aus. Daher sollten Sperrungen im Wald nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Schließlich geht es um die eigene Sicherheit.
Hintergrundinfos
Rettungskette und Arbeits- und Gesundheitsschutz im Forstberuf
Forstliche Rettungspunkte sind über Koordinatenangaben festgelegte Anfahrtsstellen, die Rettungsfahrzeugen als Treffpunkt mit den Personen der Rettungskette dienen. Sie helfen bei Notfällen bei der Kommunikation mit dem Rettungsdienst, um das Auffinden des Unfallortes zu vereinfachen und die Rettungsfahrzeuge bei einem Unfall schneller an den richtigen Ort zu leiten. Daher müssen gefährliche Arbeiten im Wald mit mindestens 3 Personen durchgeführt werden. Kommt es zum Unfall, bleibt eine Person beim Verletzten, während die dritte Person zum Rettungspunkt fährt, um den Rettungsdienst abzuholen.
Die Forstwirtinnen und Forstwirte stehen in der Waldarbeit über ein Kommunikations- und Notrufgerät in Verbindung. Die Geräte gehören neben weiterer Ausstattung zur persönlichen Schutzausrüstung. Regelmäßige Sicherheitscoachings von ForstBW sensibilisieren für Gefahrenlagen und schulen sichere Gegenmaßnahmen.
Über den Beruf des Forstwirtes
Zur nachhaltigen Erfüllung der Leistungen zukunftsfähiger Wälder bedarf es einer hochwertigen naturnahen Waldwirtschaft. Eine wesentliche Voraussetzung für diese Waldwirtschaft sind Profis im Wald, also gut ausgebildete Forstwirtinnen und Forstwirte. In der Forstwirtausbildung steht heute vor allem die Handlungskompetenz im Mittelpunkt. Forstwirte sollen selbständig Arbeitsmaßnahmen planen, durchführen und kontrollieren können. Dies ist Voraussetzung für ein optimales Ergebnis und die Umsetzung der Betriebsziele. Mit seiner beruflichen Qualifikation erwirbt der Forstwirt-Auszubildende eine gute Grundlage für ein breites Einsatzspektrum in der Arbeitswelt. Dies belegt auch die derzeit hohe Nachfrage nach ausgebildeten Forstwirten im und auch außerhalb des traditionellen Berufsfeldes.
An rund 90 staatlichen, kommunalen und privaten Ausbildungsstätten in Baden-Württemberg findet die betriebliche Ausbildung meist im Team statt. In der Regel dauert die Ausbildung zum Forstwirt drei Jahre, eine Ausbildungsverkürzung auf zwei Jahre ist jedoch möglich.
Über den Forstbezirk Schönbuch
Der Forstbezirk Schönbuch erstreckt sich von Tübingen im Süden bis hoch nach Stuttgart Weilimdorf im Norden und von Aidlingen im Westen bis nach Aichtal im Osten und ist in 10 Forstreviere untergliedert. Er umfasst rund 13.300 ha Staatswald mit einer großen Baumartenvielfalt und größtenteils stabilen Mischbeständen. Durch die Lage im Verdichtungsraum kommt der Erholungsfunktion eine besondere Rolle zu. Daneben trägt der Forstbezirk eine besondere Verantwortung für den Waldnaturschutz. Im Forstbezirk Schönbuch werden 75% des Holzzuwachses von gut ausgebildete Forstwirten geerntet. Gerade bei den hochwertigen Holzsortimenten ist die Beurteilung der Qualität durch den Forstwirt unerlässlich. Verkauft wird das Holz an Sägewerke und Betriebe in Baden-Württemberg.
Über ForstBW
Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes durch den Landesbetrieb ForstBW ist FSC® und PEFC™ zertifiziert. Seit dem 01. Oktober trägt ForstBW zudem das Gemeinwohl Ökonomie Zertifikat.
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