Neues von ForstBW: Maschineneinsatz im Waldbiotop

Erstpflege der Biotopflächen im Arenbachtal

Im Forstbezirk Schönbuch übernimmt eine Spezialmaschine gerade die Erstpflege der Biotopflächen im Arenbachtal. Im kommenden Jahr setzten Forstleute dann auf Schafe als Landschaftspfleger.

Auf den ersten Blick ist die Besonderheit der Flächen nicht gleich zu erkennen. Es ist ein einfaches Tal entlang eines steileren Hangs mit ein paar Büschen, einem schmalen Grünstreifen und einzelnen jüngeren Bäumen. Auf den zweiten Blick und im Jahresverlauf zeigt die Vegetation entlang des Arenbachtals ihre ganze Pracht: besonders blütenreich im Frühjahr, Sträucher mit knallig gefärbten Beeren, gelb-rot leuchtende Blätter im Herbst sowie märchenhaft gewachsene junge Eichen prägen das Landschaftsbild. Wegen der vielseitigen Strukturelemente ist der ökologische Wert dieses Waldbiotops hoch. Als stufiger und besonnter Waldtrauf am Hang mit heimischen Straucharten, ist es ein seltener Lebensraum für lichtliebende Tier- und Pflanzenarten. 
Doch durch die fortschreitende Beschattung der Fläche wird es zu dunkel. „Auch durch überalterte, eingewachsene und zu stark verholzte Sträucher verlieren wir allmählich an Struktur“, so Christian Knecht, zuständiger Förster vor Ort.
Eine Maschine, ein sogenannter Schreitbagger, soll hier in einem ersten Schritt Abhilfe schaffen. Er hat wegen seiner Geländegängigkeit und des geringen Bodendrucks entscheidende Vorteile bei der Waldpflege in steileren Flächen. Über die maschinelle Erstpflege werden überalterte Sträucher verjüngt und unterschiedlich dichte Gehölzstrukturen mit sonnigen und schattigen Bereichen ausgeformt. Aber auch die jungen Eichen können sich durch die Pflege zu markanten Bäumen mit tiefen und großen Baumkronen entwickeln. Sie stellen später wertvolle Brut- und Nisthöhlen für Vögel, Fledermäuse und Insekten dar. Auch die Wiese soll an schmalen Stellen wieder breiter und blütenreicher werden.

"Ich freue mich sehr darauf, die Flächen zu pflegen und bin auf die Ergebnisse in den kommenden Jahren gespannt. Das Arenbachtal wird hierdurch nicht nur ökologisch interessanter, sondern auch ästhetisch aufgewertet“, sagt Christian Knecht begeistert.
Im nächsten Jahr hat er dann vor, die Flächen mit Schafen zu beweiden. Von der geplanten Kombination aus maschineller Pflege und Beweidung verspricht er sich viel. Denn durch die Trittsiegel der Tiere und den abgegebenen Kot entstehen vielfältige und einzigartige Kleinsthabitate. Dadurch lässt sich in den Waldbiotopflächen langfristig ein reichhaltiges Mosaik an unterschiedlichen Strukturen entwickeln, um so vorhandene Arten zu stärken und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern.

 

Hintergrundinfos

Über das Arenbachtal

Das Arenbachtal liegt westlich von Bebenhausen, entlang einer stark frequentierten Radstrecke und beliebten Route zu kannten Ausflugszielen im Naturpark Schönbuch. Der Arenbach entspringt in verschiedenen Zuflüssen östlich des Schönbuchspitzes und fließt wie die meisten anderen Bäche in West - Ost - Richtung. Er mündet am Geschlossenen Brunnen, also kurz oberhalb von Bebenhausen in den Goldersbach.

Über die Biotoppflege in Waldinnensäumen

Ein Waldinnensaum besteht aus 3 Zonen: der Krautschicht mit Blühpflanzen für Insekten, der nachgelagerten Strauchschicht als Brutplatz und Nahrungsquelle für verschiedene Vogelarten. Der Übergangsbereich zum Wald besteht aus niedrigen Bäumen wie dem Feldahorn und der Elsbeere sowie solitären markanten größeren Bäumen wie der Eiche. Damit der Biotopcharakter erhalten bleibt, muss die Krautschicht jährlich gepflegt werden. Auch die Sträucher müssen regelmäßig auf den Stock gesetzt werden. Bereits im nächsten Frühjahr schlagen sie wieder aus und bilden einen vitalen Strauchgürtel. Die Bäume werden alle 5-10 Jahre freigestellt. Die Pflege des Arenbachtals wird über die nächsten Jahre abschnittsweise umgesetzt.

Über den Forstbezirk Schönbuch

Der Forstbezirk Schönbuch erstreckt sich von Tübingen im Süden bis hoch nach Stuttgart Weilimdorf im Norden und von Aidlingen im Westen bis nach Aichtal im Osten. Er umfasst rund 13.300 ha Staatswald, welcher in 10 Forstrevieren bewirtschaftet wird. Der Staatswald im Naturpark Schönbuch wird vom gleichnamigen Forstbezirk bewirtschaftet. Durch die Lage im Verdichtungsraum kommt der Erholungsfunktion eine besondere Rolle zu. Rund 8700 ha wurden als Erholungswald der Kategorie 1 (höchste Stufe) ausgewiesen. Daneben trägt der Forstbezirk eine besondere Verantwortung für den
Waldnaturschutz. Es befinden sich darin 484 ha Waldschutzgebiete (v.a. Bannwälder), ca. 1100 ha Naturschutzgebiete und flächenhafte Naturdenkmäler, 738 ha kartierte Waldbiotope. 8150 ha liegen in einem FFH-Gebiet, 7094 ha in einem Vogelschutzgebiet nach Natura 2000.

Über ForstBW

Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes durch den Landesbetrieb ForstBW ist FSC® und PEFC™ zertifiziert. Seit dem 01. Oktober trägt ForstBW zudem das Gemeinwohl Ökonomie Zertifikat.

Hier können Sie die Pressemitteilung als pdf herunterladen.

Reife Fruchtstände des Pfaffenhütchens mit rosaroten Fruchthüllen um orangene Früchte
Ein Schreitbagger steht zwischen Sträuchern und entfernt Gehölze.