Naturpark Schönbuch will zum dritten Mal Qualitätsnaturpark werden

Am 18. und 19. Juli 2024 bekam der Naturpark Schönbuch Besuch von einem „Naturpark-Scout“. Grund dafür war die anstehende Rezertifizierung zum Qualitätsnaturpark.

Im Rahmen der Qualitätsoffensive des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) wurde der Naturpark Schönbuch 2013 erstmals als Qualitätsnaturpark ausgezeichnet. Die im fünfjährigen Turnus anstehende Rezertifizierung verlief auch 2018 erfolgreich. In diesem Jahr unterzieht sich der Naturpark Schönbuch erneut diesem Prozess. Ziel davon ist es, den Naturparken ein Instrument zur Selbsteinschätzung und zur kontinuierlichen Verbesserung der Qualität ihrer Arbeit und ihrer Angebote zur Verfügung zu stellen. 

Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle hatten bis Mitte Mai 2024 einen umfangreichen Katalog mit rund 100 Fragen zu den einzelnen Handlungsfeldern eines modernen Naturparks zu beantworten. Am 18. und 19. Juli 2024 bekam der Naturpark Schönbuch nun Besuch von Dr. Peter Gärtner. Als erfahrener Geschäftsführer des Naturparks Barnim in Brandenburg hat er den Naturpark Schönbuch als „Naturpark-Scout“ besucht, um gemeinsam mit den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und verschiedenen Partnern die Stärken und Schwächen des Naturparks zu analysieren sowie Möglichkeiten der Weiterentwicklung zu erörtern.

Bei zwei Exkursionen in den Naturpark wurden gemeinsam Projekte und Maßnahmen des Naturparks Schönbuch begutachtet.

Am Donnerstag, den 18. Juli besuchte Dr. Peter Gärtner zusammen mit Vertretern der unteren Forstbehörde Böblingen, Partnern des Naturparks, Fördervereinsmitgliedern sowie Mitarbeitende der Naturparkgeschäftsstelle zunächst den Stadtwald Herrenberg. Stefanie Knorpp, Leiterin des Forstreviers Herrenberg, berichtete über verschiedene Amphibienschutzmaßnahmen: Seit den 1970er Jahren wurden im Stadtwald Herrenberg – zunächst in Steinbrüchen, später über die komplette Stadtwaldfläche – rund 100 Tümpel und Kleinstgewässer unterschiedlicher Größe neu angelegt oder saniert. Davon konnten besonders Arten wie der Kammmolch, der Laubfrosch oder die Gelbbauchunke profitieren. 

Anschließend führte Stefanie Knorpp zur Erlebnisstation am Damwildgehege, die 2023 eingeweiht wurde. Besucherinnen und Besucher erwarten dort Geweihe von Reh-, Rot- und Damwild und an Informationstafeln kann Wissenswertes zur Geweihentwicklung und zu verschiedenen Wildarten erfahren werden. Die Informationen auf den Tafeln sind zusätzlich in Brailleschrift lesbar.

Bei der Erlebnisstation am Entensee lassen sich Tiere und Pflanzen in und um den Weiher erforschen. Vier Molcharten kommen in den Gewässern des Stadtwaldes vor: Bergmolch, Teichmolch, Fadenmolch und der sehr seltene Kammmolch. Durch die neu errichtete Uferplattform kann ein Blick in den Teich geworfen werden.

Danach ging es weiter zur Waldweide bei Mönchberg. Winfried Seitz, Leiter des Forstreviers Haslach, in dem die Waldweide liegt, informierte über die Geschichte und Sinn und Zweck der Waldweide: Im Oktober 2018 erfolgte der Auflichtungshieb, nachdem die Forstdirektion die Waldweide genehmigte. Hierbei wurden Bäume gefällt, um eine lichte Waldstruktur zu erhalten. Rund 80 Mitglieder des Fördervereins Naturpark Schönbuch halfen bei der Vorbereitung der Fläche mit. Im Frühjahr 2019 begann die Beweidung, die sich mittlerweile im 6. Jahr befindet. Beweidet wird von etwa Ende April bis Anfang November, ohne Zufütterung der Weidetiere. Derzeit sind 5 Galloways auf der rund 8 ha großen Fläche. Seit 2023 sind auch zeitweise Ziegen an der Beweidung beteiligt, um die Fläche offen zu halten.

Zum einen soll durch die Waldweide diese historische Waldnutzungsform im Naturpark Schönbuch sichtbar gemacht werden. „Zudem ist die Waldweide für Licht und Wärme liebende Arten wie Grauspecht, Halsbandschnäpper, Waldschnepfe, Schmetterlinge, Fledermäuse und viele mehr eine große Chance, die sie bereits genutzt haben“, sagt Naturparkgeschäftsführer Mathias Allgäuer. Die Waldweide stellt dadurch eine weitere Attraktion für die Besucher des Naturparks dar. 

Als Abschluss der Exkursion am Donnerstag stand noch der Besuch des Schönbuchturms auf dem Programm, der einen tollen Blick auf den Naturpark in der sommerlichen Abendstimmung bot.

Am Freitag, den 19. Juli 2024 erfolgte dann die zweite Exkursion, diesmal nach Waldenbuch. Zunächst wurde dort von den Exkursionsteilnehmern im Beisein von Dr. Anja Peck, Vorsitzende des Naturpark-Schönbuch-Gremiums, das Kleindenkmalprojekt auf dem Bezenberg begutachtet. Dr. Christoph Morrissey, Historiker und Archäologe, Günther Schwarz, ehemaliger Revierleiter sowie Kathrin Klein, Försterin des ForstBW Forstbezirks Schönbuch berichteten über das gemeinschaftliche Projekt: 

Etwa 400 Kleindenkmale finden sich im Schönbuch. Darunter sind Einzelschöpfungen wie Gedenksteine, Brunnen, historische Grenzsteine, Wegkreuze und Trockenmauern. Es zählen aber auch flächenhafte Kulturlandschaftselemente wie Grabhügel, Bodendenkmäler, historische Steinbrüche, Tongruben und Wassergräben dazu. 

Im Naturpark Schönbuch waren die Kleindenkmale bisher in acht Datenbanken verschiedener Besitzer erfasst. Durch die seit letztem Jahr von der Naturpark Geschäftsstelle gegründete AG Kleindenkmale werden nun in dem besuchten Modellprojekt am Bezenberg diese Datenbanken zusammengefasst, durch zusätzliche Funde erweitert und in einem internen Datenbanksystem auf GIS-Grundlage kategorisierbar und abfragbar. Durch digitale Karten soll es zukünftig den Forstbehörden ermöglicht werden, verbesserte Schutzmaßnahmen für die Kleindenkmale bei Forstarbeiten durchzuführen. Eine Ausdehnung des Projekts auf die gesamte Naturparkfläche ist geplant.

Anschließend konnte sich Herr Dr. Gärtner über die Oskar-Schwenk-Schule in Waldenbuch informieren, die 2021 als erste Naturparkschule im Schönbuch zertifiziert wurde. Im Rahmen des Modules „Backen wie in alten Zeiten“ backten Schülerinnen und Schüler im Backhaus vor Ort Brot, Hefezopf und Dinnete. „Die Kinder erleben hier in eindrucksvoller Weise, wie unser Grundnahrungsmittel, das Brot, durch ihre eigene Arbeit entsteht“, freut sich Dr. Anja Peck, Vorsitzende des Naturparks Schönbuch.

Hinter dem Begriff Naturparkschule steckt die Idee, Kindern den Unterrichtsstoff aus dem Bildungsplan und im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den Bereichen Natur, Kultur und Heimat mit außerschulischen Partnern zu vermitteln. Dafür arbeiten Naturpark, Schule und Naturparkgemeinde eng zusammen. 

Im Herbst 2024 erhält der Naturpark Schönbuch das Ergebnis der Rezertifizierung.

Informationen zur Qualitätsoffensive des Verbandes Deutscher Naturparke finden Sie unter: Qualitätsoffensive Naturparke: VDN - Verband Deutscher Naturparke e.V.

Naturpark-Scout Dr. Peter Gärtner (ganz links) mit den Teilnehmenden der Exkursion auf der Aussichtsplattform über der Waldweide im Naturpark Schönbuch bei Mönchberg.
Stefanie Knorpp (links im Hintergrund), Leiterin des Forstreviers Herrenberg, berichtete am Entensee über verschiedene Amphibienschutzmaßnahmen und stellte die Infotafel über Molche vor.
Kinder der Oskar-Schwenk-Schule in Waldenbuch backten im Rahmen des Naturparkschulen-Moduls „Backen wie in alten Zeiten“ reichlich herzhafte Verpflegung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion.
Zunächst berichteten Stefanie Knorpp (Leiterin des Forstreviers Herrenberg, 3 v. l.) und Matthias Link (untere Forstbehörde LRA Böblingen, 2. v. l.) über die Geschichte des Schönbuchturms, bevor der Turm bestiegen wurde.