Kleindenkmal „50 Jahre Naturpark Schönbuch“ feierlich eingeweiht

Gedenkstein erinnert an die Entstehung des ersten Naturparks in Baden-Württemberg

Zur Erinnerung an die Gründung des ersten Naturparks in Baden-Württemberg weihten Anja Peck, Vorsitzende des Naturparks Schönbuch, und Bernd Haug, Vorsitzender des Fördervereins Naturparks Schönbuch e. V., am 5. Dezember 2025 feierlich das Kleindenkmal „50 Jahre Naturpark Schönbuch“ am Walddorfer Brückle im Naturschutzgebiet Schaichtal ein. Dieses folgt den Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr 2022 und informiert Waldbesuchende über die Entstehungsgeschichte des Naturparks. 

„Der Aufstellort für das Kleindenkmal am Walddorfer Brückle wurde bewusst gewählt, da dort drei der vier Landkreise des Naturparks, also Böblingen, Esslingen und Reutlingen, aufeinandertreffen und die Grenze des vierten Landkreises Tübingen sich lediglich 1,7 km entfernt befindet. Das Denkmal soll an die gemeinsame Verantwortung der Landkreise und Gemeinden für Natur und Landschaft erinnern, die den Naturpark Schönbuch als Großschutzgebiet ausmacht“, erläuterte Anja Peck. 

Das Kleindenkmal „50 Jahre Naturpark Schönbuch“ besteht aus zwei Mühlsteinrohlingen, die im Stadtwald Herrenberg geborgen wurden. Damit soll die historisch bedeutende Steinnutzung im Naturpark Schönbuch in Erinnerung gerufen werden. „Der Naturpark Schönbuch ist bekannt für seinen Reichtum an Kleindenkmalen. Sie erzählen uns Geschichten vieler Jahrhunderte und sind Kulturdokumente der sozialen aber auch der politischen Geschichte des Schönbuchs. Somit lag es nahe, auch das 50-jährige Jubiläum des Naturparks durch ein Kleindenkmal festzuhalten“, erklärte Bernd Haug.

Hans-Peter Kopp, Ministerialdirigent a. D., langjähriger Forstamtsleiter in Weil im Schönbuch und Naturschutzbeauftragter, ging in seinem Redebeitrag vor 25 geladenen Gästen auf die Entstehungsgeschichte des Naturparks ein: „Vor seiner Gründung 1972 war der Schönbuch ernstlich bedroht. Wäre es anders gekommen, würden heute Flugzeuge im Schönbuch starten und landen“. Anschließend wandte sich Hans-Peter Kopp, ein versierter Kenner des Schönbuchs, der Entwicklung des Naturparks seit seiner Gründung zu. Wichtige Projekte des Naturparks, wie das Informationszentrum in Bebenhausen, das Besucherleitsystem, die Naturpark-Schulen, der Schutz von Kleindenkmalen, Landschaftspflegeaktionen sowie das jährlich erscheinende Veranstaltungsprogramm sind Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von Landkreisen, Kommunen, Forst, Ehrenamtlichen und Naturparkverwaltung. 

Zum Abschluss wurde von Anja Peck, Bernd Haug und Hans-Peter Kopp die begleitende Informationstafel angebracht. Sie liefert den Besuchenden Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte und zu den Aufgaben des Naturparks.

Das Kleindenkmal wurde gefördert durch den Naturpark Schönbuch mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Lotterie Glücksspirale sowie mit Spenden der Stadt Herrenberg, dem Förderverein Naturpark Schönbuch e. V. und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. 

 

Hintergrund

Geschichte

Der wirtschaftliche Aufschwung im Deutschland der fünfziger und sechziger Jahre führte auch in Baden-Württemberg unter anderem zu einem stetigen Anstieg des Flugverkehrs. Aus diesem Grund plante die damalige Landesregierung Ende der sechziger Jahre den Neubau des Großflughafens Stuttgart im südöstlichen Bereich des Schönbuchs. Da der Großteil des Schönbuchs im Besitz der öffentlichen Hand ist, hätte man sich zähe Verhandlungen mit Privatwaldbesitzenden erspart. 

Die drohenden Folgen hätten nicht nur den Verlust der Erholungsfunktion im Schönbuch und eine erhebliche Gefährdung der Tier- und Pflanzenwelt zur Folge gehabt. Auch großflächige Rodungen wären notwendig geworden.

 1969 gründete sich die "Arbeitsgemeinschaft Schönbuch – Flughafen" mit 80 Vertreterinnen und Vertretern von Landkreisen, Gemeinden und anderen Organisationen.
Unter der Leitung von Dr. Georg Fahrbach (Schwäbischer Albverein) und Oskar Klumpp (Landrat Tübingen) organisierten sie Demonstrationen, die schließlich zum Verzicht auf den Bau des Flughafens führten. Am 21. März 1972 erklärte die Landesregierung den Schönbuch zum ersten Naturpark Baden-Württembergs.

Naturpark – was ist das?

Naturparke sind laut § 27 des Bundesnaturschutzgesetzes großräumige Kultur- und Naturlandschaften, in denen der Schutz und die Erhaltung der Biotop- und Artenvielfalt eng mit der Erholungsfunktion der Landschaft verbunden sind. Sie fördern umweltverträglichen Tourismus und eine dauerhaft nachhaltige Landnutzung. Im Gegensatz zu einem Nationalpark darf im Naturpark Holz genutzt werden. Die Arbeit konzentriert sich vor allem auf die fünf Handlungsfelder „Naturschutz und Landschaftspflege“, „Erholung und nachhaltiger Tourismus“, „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, „nachhaltige Regionalentwicklung“ sowie „Klimaschutz und Klimaanpassung“.