Hilfe für versauerte Waldböden

Bodenschutzkalkung ab Montag, 2. September 2019 im Schönbuch

Ab Montag, 2. September 2019, führt die Abteilung Forst des Landratsamts Tübingen auf den Staatswaldflächen des Revieres Tübingen-Pfrondorf mit einer Bodenschutzkalkung. Die zu kalkenden Waldgebiete liegen auf der Gemarkung Pfrondorf und der Gemarkung Dettenhausen. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme den Monat September in Anspruch nehmen. In dieser Zeit kann der Waldzutritt räumlich kurzfristig mit einer entsprechenden Beschilderung eingeschränkt werden. Hierzu wird die Abteilung Forst entsprechende Hinweisschilder aufstellen.

Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit der Ausbringung von Kalk soll die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden unterstützt werden. Damit wird eine gute Basis für klimastabile Wälder und ihre vielen wichtigen Funktionen geschaffen. Die Abteilung Forst des Landratsamts Tübingen hat im vergangenen Jahr erstmals damit begonnen, Bodenschutzkalkungen durchzuführen. 

Die zu kalkenden Waldgebiete können zwischen der Kreisstraße K 6912 im Westen und der Kreisgrenze zum Landkreis Reutlingn im Osten sowie vom Roten Tor im Süden bis zu Teilflächen vom Schwarzen Hau nördlich der B 464 eingegrenzt werden.

Seit rund zehn Jahren werden landesweit dafür Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser für die Bodenschutzkalkung eingesetzt. Das Material wird mittels speziell ausgerüster Fahrzeuge vom Boden aus verblasen, was eine kurzfristige, aber erhebliche Staubentwicklung zur Folge hat. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen und Tiere durch das Kalkmaterial besteht nicht. In den benannten Waldgebieten kommt es während der Ausbringungsarbeiten zu Wegesperrungen. Waldbesuchende sollten die Sperrhinweise beachten, denn es ist mit einem erhöhten LKW-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie mit Staubwolken zu rechnen. Bis zum nächsten Regen kann es zu Kalkbelägen und Pflanzen und Bäumen kommen, die dann in den Boden gespült werden. So wird Waldbesuchenden der betreffenden Waldflächen geraten, vor dem nächsten Waldbesuch einen Regenschauer abzuwarten.

Hintergrundinformation
Die Untere Forstbehörde des Landratsamts Tübingen übernimmt die Planung, Ausschreibung und Überwachung für die Durchführung der Maßnahme. Für die Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche in einem GIS-System erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen und durch  Bodenproben vor Ort ergänzt. Auf diesen Grundlagen werden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage der Kalkungsmaßnahme dienen. Darin sind bereits Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme vor Ort von den Forstleuten überwacht.

Förderung für Waldbesitzende
Die Europäische Union fördert die Bodenschutzkalkung für Waldbesitzende unter 30 Hektar mit 100 Prozent der entstehenden Kosten. Lediglich die Umsatzsteuer ist nicht förderfähig und muss vom Eigentümer selbst getragen werden. Waldbesitz über 30 Hektar wird mit 90 Prozent der Nettokosten gefördert. Die Preise differieren je nach Ausbringungsverfahren und dem ausgebrachten Material. In befahrbaren Lagen (Hanglagen bis 30 Prozent) mit einem gut ausgebauten Wegenetz (Gassenabstand von max. 40 bis 60 Meter) kann ein bodenverblasendes Fahrzeug eingesetzt werden. In schwer befahrbaren Lagen (Hanglagen über 30 Prozent oder unzureichender Feinerschließung) kommen Hubschrauber zum Einsatz, was die Ausbringung um bis zu einem Drittel verteuern kann. Förderanträge und weitere Unterlagen sind bei der unteren Forstbehörde erhältlich (Tel. 07071/207-1402, Email G.Buelow(at)kreis-tuebingen.de)

Weitere Informationen
Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de oder unter www.forstbw.de