Exkursion "Holzernte und Bodenschutz"

Die Initiative "Schützt den Schönbuch" kritisierte in den vergangenen Monaten die Bewirtschaftung des Waldes im Schönbuch. Seit Juni 2013 dokumentiert die Initiative Schäden, die Holzerntemaschinen auf den Rückegassen hinterlassen. Es wird befürchtet, dass nur der wirtschaftliche Profit im Fokus steht und Tourismus und Erholung im Schönbuch auf der Strecke bleiben. Die Initiative wünscht sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Waldbewirtschaftung.

ForstBW nahm die Sorge zum Anlass und organisierte im Schönbuch für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zwei Exkursionen zum Themenkomplex "Holzernte und Bodenschutz". Es wurden die Abläufe bei der Holzernte erklärt und moderne Holzerntetechniken vorgestellt. Fachleute von ForstBW und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) klärten über das schwierige Spannungsfeld von Holznutzung, Naturschutz und Erholung auf, insbesondere unter Berücksichtigung des Wettergeschehens der letzten Monate. Die Forstfachleute diskutierten offen mit den etwa 100 Teilnehmenden.

Der Schönbuch hat als Naturpark primär die Aufgabe eines Erholungswaldes. Das zeigt auch die betriebswirtschaftliche Bilanz des Schönbuchforstamtes Tübingen. Für die Erholungsfunktion wird mehr aufgewendet, als die Erträge aus dem Holzeinschlag einbringen. Die Holzernte ist zusätzlich durch Schutzgebiete wie FFH- und Vogelschutzgebiete eingeschränkt, die in ihrer Gesamtheit weit über 90 Prozent des Naturparks ausmachen. Die Nachfrage der Bürgerinnen und Bürger nach Holz ist sehr groß, vor allem Brennholz. Der nachwachsende Rohstoff aus der Region wird schon immer begehrt.

Die in drei Stationen gegliederte Exkursion, veranschaulichte an der ersten Station die Wirkung schwerer Holzerntemaschinen auf den Boden. Diese drücken die Bodenporen zusammen und reduzieren die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Waldbodens. Das stört unter anderem das Wurzelwachstum der Bäume.
Die nächste Station zeigte verschiedene Holzerntemaschinen. Werden alle Anforderungen erfüllt, ist der Einsatz moderner Großtechnik mit festen Rahmenbedingungen eine Option für die Holzernte. Dabei kommen Maschinen mit vielen und breiten Reifen zum Einsatz, um das tonnenschwere Gewicht auf eine möglichst große Fläche zu verteilen. ForstBW möchte nach einem notwendigen Übergangszeitraum verstärkt Maschinen mit sechs oder acht Rädern einsetzen.

Früher fehlte oft ein Erschließungssystem und die Maschinen haben den Wald flächig befahren. Obwohl damals weniger Spuren zu erkennen waren, entstand eine flächige Waldbodenverdichtung. In der Folge war dies ein größerer Schaden, als durch die heute übliche regelmäßige Erschließung, bei der im Staatwald alle 40 Meter eine Rückegasse befahren wird.

In diesem Zusammenhang stellte ForstBW seine neue Bodenschutzkonzeption vor, zur Sicherstellung der dauerhaften Funktionsfähigkeit von Rückegassen. Sie gilt im Staatswald von Baden-Württemberg und wird für den Kommunalwald empfohlen. Dabei geht es um eine strikte Einhaltung der Befahrung ausschließlich auf den Rückegassen. Als Grenzwert der Fahrspurtiefen gelten nun 40 cm, bei einem Zehntel der Gasse auch tiefer. Sind die Werte überschritten, wird die Holzernte eingestellt.

Der letzte Exkursionspunkt zeigte die Sichtweise des Naturschutzes. Aus den unästhetischen Fahrspuren entstehen neue Lebensräume zum Beispiel für die Gelbbauchunke, den Lurch des Jahres 2014. Sie ist im Schönbuch an 35 Stellen nachgewiesen, 22 davon in ehemaligen Fahrspuren von Erntemaschinen. Die Gelbbauchunke bevorzugt zum Laichen frische, temporäre Gewässer, und dafür sind tiefe Fahrspuren ideal geeignet.

Die Exkursionstage im Schönbuch haben den Beteiligten einen spannungsgeladenen Themenkomplex sehr anschaulich, sachlich und transparent nahegebracht. Es ist eine gute Basis, für das gegenseitige Wahrnehmen und Verstehen der vielfältigen Anforderungen an das Waldgebiet des Jahres.