Dicker Rauch quillt aus dem Schornstein des alten Backhauses in der Altstadt Waldenbuchs. Die kleine Anliegerstraße ist schon seit den Morgenstunden gesperrt und vor dem historischen Gebäude wuseln dreißig Kinder mit Schürzen und mehlbestäubten Händen. Auf vier Tischen stehen riesige Teigschüsseln, in denen eifrige Kinderhände duftenden Hefeteig kneten. Kaum sind die Teigklumpen in den Backformen verschwunden, heißt es Bleche einfetten, Teigfladen ziehen und mit Sauce bestreichen. Die Anweisungen von Projektleiterin Beate Holderied kommen schnell und präzise, Zeit zum Ausruhen bleibt keine. Die Kinder arbeiten flink und sind mit Feuereifer dabei. Im Inneren des Backhauses schüren drei Frauen das Feuer und bereiten alles für den Backgang vor. Sie sind die externen Partner, mit ihrem Engagement füllen sie das Modul „Backen wie in alten Zeiten“ mit Leben.
Im Frühjahr 2020, nur ein paar Tage vor dem ersten Lockdown, bewarb sich die Schulleitung der Oskar-Schwenk-Schule als erste Schule in der Region um das Bildungsprojekt Naturpark-Schule beim Naturpark Schönbuch. Dieses, vom Verband Deutscher Naturparke als Antwort auf den Bildungsauftrag der Regierung entwickelte Projekt hat zum Ziel, den Unterrichtsstoff aus dem Bildungsplan im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den Bereichen Natur, Kultur und Heimat mit außerschulischen Partnern zu vermitteln. Jede Klassenstufe absolviert jährlich zwei Lerneinheiten, sogenannte Module, die ihnen ein Lernen außerhalb des Klassenzimmers mit hohem Praxisbezug und immer in Bezug auf ihre Heimatgemeinde und den Naturpark Schönbuch ermöglichen. Im Herbst wurde der Kooperationsvertrag von den drei Partnern Naturpark, Naturparkgemeinde und Schule unterschrieben und dann sollte es eigentlich losgehen. Jedoch, pandemiebedingt kamen alle Aktionen zum Erliegen, die Schule musste wie alle anderen Schulen jede neue Regelung umsetzten. Präsenzunterricht, Fernunterricht, Wechselunterricht mit geteilten Klassen, eine schwierige Zeit, um mit einem neuen Schulprojekt zu starten.
Sie haben es geschafft, obwohl etliche Termine mit den externen Partnern vereinbart, verschoben, abgesagt und wieder vereinbart werden mussten. Mit dem Modul „Wiesenblumen und Insekten“ startete im Juni die Klassenstufe eins. Eine Fläche hinter der Schule wurde mit allen drei Klassen als Blühfläche eingesät. Klassenstufe zwei setzte das Thema fort und sammelte unter dem Titel „Kräuterduft und Wiesenluft“ Wildkräuter auf einer Streuobstwiese.
Vogelstimmen war das Thema für die dritte Klassenstufe, „Backen wie in alten Zeiten – unser Grundnahrungsmittel Brot“ das zentrale Thema der vierten Klassenstufe.
In den Öfen des Backhauses hat sich mittlerweile die richtige Hitze gebildet. Die Backfrauen schieben die Brote und Flammkuchen im Beisein der Kinder in den Backraum. In wenigen Minuten sind letztere knusprig gebacken und die Schülerinnen und Schüler dürfen in der wohlverdienten Pause die leckeren Kuchen essen, während sich die geladenen Gäste zur Verleihung der Urkunde sammeln. Die Vorsitzende des Naturparks Schönbuch, Frau Dr. Anja Peck, überreicht Herrn Rektor Jan Stark die Zertifizierungsurkunde und bedankt sich bei ihm:
„Die heutige Verleihung der Urkunde und der Plakette, die die Oskar-Schwenk-Schule am Schuleingang zukünftig als Naturpark-Schule kennzeichnet, ist Ausdruck unseres höchsten Respekts, dass Sie in diesen schwierigen Zeiten eine solche Herausforderung angenommen und bewältigt haben.“
„Uns war es ein Anliegen, den Kindern, die über Monate keinen Kontakt haben durften zu ihren Mitschülern, Unterricht zu bieten, bei dem mit Bewegung, frischer Luft und jeder Menge Spaß viel gelernt werden kann. Da kam das Konzept Naturpark-Schule genau im richtigen Moment“, sagt Rektor Jan Stark, während er die Urkunde und Plakette in Empfang nimmt.
Auch Bürgermeister Michael Lutz ist glücklich, die vielen Kinder vor dem alten Backhaus zu beobachten:
„Wir freuen uns, dass wir mit dem Backhaus eine städtische Einrichtung zur Verfügung stellen können, die ganz maßgeblich zum Konzept Naturpark-Schule beitragen kann. Hier wird unsere Tradition und unser Kulturerbe schon der jüngsten Generation im wahrsten Sinne des Wortes begreiflich gemacht. Jeder Cent ist in diesem Projekt hervorragend angelegt, denn ein Tag wie heute wird den Kindern in bester Erinnerung bleiben“, resümiert er sichtlich zufrieden.
Der Naturpark Schönbuch fördert einen großen Teil der Kosten mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg, der Europäischen Union und der Lotterie Glücksspirale.
Hier finden sie einen kleinen Bericht von RegioTV zur Zertifizierungsfeier am Freitag.
Weitere Informationen zu den Naturparkschulen finden Sie hier auf unseren Internetseiten zum Thema.



