Geschätzte vier Millionen Besucher spazieren, radeln oder joggen jährlich sowieso schon durch den Schönbuch. Dieses Jahr dürfte sich die Zahl noch drastisch erhöhen. „Es fällt wirklich auf, dass gerade viel mehr Menschen im Wald sind“, sagt der Naturpark-Geschäftsführer Mathias Allgäuer. Als Naherholungsgebiet inmitten der Ballungsräume Stuttgart, Böblingen und Tübingen dient er in der Corona-Krise als Zufluchtsort. Da kommt der neue Wanderführer des Schönbuch-Experten Roland Bengel zur richtigen Zeit. Ein kompakteres Informationspaket gibt es in Kürze von der Naturpark-Verwaltung, wenn die aktualisierte Landkarte mit allen Wander- und Radwegen erscheint.
„Den Menschen fällt die Decke auf den Kopf“, sagt Mathias Allgäuer und ergänzt im Namen seiner Kollegen: „Wir freuen uns, wenn der Wald wichtig ist.“ Dem Schönbuch mache die gestiegene Anziehungskraft jedenfalls nichts aus. Er werde nicht vermüllt, und obwohl es erlaubt sei, von den Wegen abzugehen, würden die Besucher auch nicht in die Dichtungen hineinlaufen. Probleme hat er jedenfalls noch nicht festgestellt.
Aktuell geht es eher um die Einhaltung der Corona-Beschränkungen, die auch im Schönbuch von der Polizei überwacht werden. Die rund 20 Spielplätze des Naturparks waren bisher gesperrt, werden nun aber wieder geöffnet. Ob das Grillen erlaubt ist, hängt von der Waldbrandgefahr ab. „Das bisschen Regen in den vergangenen Tagen war kein großer Befreiungsschlag“, sagt der Förster.
Allein der Aufenthalt im Schönbuch ist laut Mathias Allgäuer schon wohltuend. „Im Wald kommt man in eine bessere Stimmung“, findet er. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass Bäume Terpene ausstrahlen würden, und diese Hormone würden bewirken, dass die Killerzellen im Blut der Menschen erhöht werden, was das Immunsystem stärke. „Im Wald fühlt man sich geborgen und gut aufgehoben“, erklärt der Naturpark-Geschäftsführer. Das Grün, der hohe Sauerstoffgehalt und das Vogelgezwitscher beruhigen die Nerven – ein gutes Gegenmittel zur Corona-Pandemie, in der die Menschen viel zu Hause seien und vermutlich den ganzen Tag auf ihr Handy starrten.
Die Veranstaltungen des Naturparks sind wie überall abgesagt. Jetzt im Frühjahr würde viel angeboten werden, „aber es geht nicht, 20 Leute durch den Wald zu führen“, erklärt der Geschäftsführer. Sobald sich die Situation entspanne, werde der Kalender wieder scharf gestellt. Außerdem erscheint in knapp drei Wochen die neue Schönbuch-Landkarte – passend zum neuen Besucherleitsystem, das seit vergangenem Jahr in dem Gebiet installiert wird. Mit rund 1000 neuen Schildern werden die Wege für Wanderer und Radfahrer markiert. Ihr Vorgänger sei die am besten verkaufte Landkarte des Landesvermessungsamtes gewesen, berichtet Mathias Allgäuer.
Dass der Schönbuch, mit 15 000 Hektar eines der größten geschlossenen Waldgebiete Baden-Württembergs, auf großes Interesse trifft, zeigt sich auch auf dem Buchmarkt. Vergangenen Sommer veröffentlichte Dieter Buck mit „Im Naturpark Schönbuch“ sein neuestes Werk mit 36 Routen für die unterschiedlichsten Ansprüche. „Schönbuch – 101 Highlights“ heißt das Buch von Roland Bengel, der bereits zwei Fotobände über den Wald herausgebracht hat. Seine Tipps hat er kategorisiert – nach Geschichte, Aussichten, Gebäuden wie Schlösser oder Hütten, Bäume, Wasser oder Tiere als Zielpunkte. „Die großen Besuchermagnete wie die Königliche Jagdhütte, das Große Goldersbachtal oder der Birkensee werden ebenso in den Fokus genommen wie unbekannte oder in Vergessenheit geratene Orte“, erklärt er sein Konzept. Ein Geheimtipp ist für ihn der Jägerweg bei Gärtringen-Rohrau oder ein Ausritt mit Kamelen in den Wald, der zurzeit leider nicht möglich ist. Für ihn ist das Buch außerdem „ein Appell, diese einzigartige Natur- und Kulturlandschaft zu erhalten und zu schützen“, betont Roland Bengel.
VIEL STOFF FÜR AUTOREN
Spannend - „Ein Haiku für die Leiche“ heißt der neue Schwaben-Krimi von Manfred Eichhorn, der im Schönbuch beginnt. In dem Naturpark wird ein toter Luchs gefunden, neben dem ein japanischer Haiku liegt. Die Frau des Kommissars Lott kennt sich mit der Pflanzen- und Tierwelt aus – und erklärt ihm, dass Luchse dort gar nicht leben. Monate später taucht in Ulm dann eine Mädchenleiche auf, neben der ebenfalls einige Zeilen in der japanischen Gedichtform platziert worden sind. Auch andere Autoren haben den Schönbuch schon als Schauplatz für kriminelle Machenschaften gewählt: Regine Bott in „Kern der Angst“ und Mario Haas in „Friedwald“.
Wegweisend - Vor zwei Jahren haben Ute Böttiger und Hansjörg Jung ihre Lieblingsplätze im Schönbuch herausgebracht. Dazu zählen Restaurants und Museen, die Falknerei und der Rotwilderlebnispark, die Ammertalbahn und die Vogelperspektive aus dem Flugzeug. Das Buch versteht sich weniger als Wander-, sondern mehr als Reiseführer. kat




