Bodenschutzkalkung im Forstbezirk Schönbuch

Hohenzollern-Radweg entlang des Kirnbachs und das Walddorfer Sträßle zeitweise gesperrt. Umleitung ist ausgeschildert.

Kalkdusche macht Wälder fit für den Klimawandel

Der Klimawandel stellt die Wälder derzeit vor besonders große Herausforderungen. Trockenheit, Stürme und Schädlinge stressen die Bäume. Die Wissenschaft sieht in der Bodenversauerung einen weiteren Auslöser für die Waldschäden. Die Regenerationskalkung der Waldböden ist daher eine wichtige Strategie zur Anpassung der Wälder in Zeiten der Klimakrise.
„Mit der gezielten Kalkung unterstützen wir unsere Waldböden und mildern die negativen chemischen Prozesse im Untergrund ab“, erläutert der zuständige Forstbezirksleiter Götz Graf Bülow. „In den letzten 70 Jahren haben viele unserer Waldböden durch Luftschadstoffe und Säureeinträge stark gelitten“. Intakte Waldböden sind die Lebensgrundlage für gesundes Waldwachstum und für die langfristige Erhaltung der Waldfunktionen äußerst wichtig. Forscher gehen davon aus, dass Bäume in versauerten Böden flacher wurzeln und dort noch anfälliger für Trockenstress sind. Sie raten daher dringend, für die Entwicklung klimastabiler Wälder versauerte Böden zu kalken.
Ab 14.September findet auf den Staatswaldflächen der Reviere Dettenhausen und Bebenhausen eine Bodenschutzkalkung statt. Die zu kalkenden Waldgebiete befinden sich auf den Gemarkungen Bebenhausen und Lustnau. Für die Materialausbringung kommt ein Helikopter zum Einsatz. GPS-gestützte digitale Karten zeigen dem Piloten im Helikopter exakt, welche Bereiche eines Waldgebiets zu kalken sind und welche ausgespart werden müssen. Mit dem LKW wird das Material zum Umschlagplatz gefahren. Von dort aus nimmt der Hubschrauber den Kalk auf.

Der ausgebrachte gemahlener Naturkalk ist für die Waldbesucher ungefährlich. Wegen möglicher Aufnahme von kleineren Steinen beim Laden des Kalks, kommt es aber aus Sicherheitsgründen in direkter Nähe zum Helikopter zu Wegsperrungen. Insbesondere der Hohenzollern-Radweg entlang des Kirnbachs, und das Walddorfer Sträßle werden zeitweise gesperrt sein. Eine Umleitung vor Ort für Pendler und Waldbesucher ist ausgeschildert.
Je nach Wetterlage wird die Ausbringung rund drei Wochen in Anspruch nehmen.
Hintergrundinformation
Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 39 Prozent von Wald bedeckt.
Die zweite bundesweite Erhebung des Bodenzustands hat gezeigt, dass sich die Situation versauerter Waldböden mit dem Ausbringen von Kalk verbessern lässt. Das gemahlene oder zerkleinerte Gestein erhöht den pH-Wert der Waldböden, die Sättigung mit wichtigen Nährelementen nimmt dadurch wieder zu. Im Ergebnis steigt damit die Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen spürbar an, was auch die Kohlenstoffspeicherung in den Böden verbessert.
Bodenversauerung
Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand eine für viele Bodenlebewesen nicht lebensfähige Umgebung. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit dem Kalkungskonzept von ForstBW soll ein natürlicher Bodenzustand, als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den Klimawandel erreicht werden.

Bodenschutzkalkung im Forstbezirk Schönbuch
Für die Planung der Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche in einem Geoinformationssystem erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen und durch Bodenproben im Staatswald ergänzt. Auf diesen Grundlagen wurden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage dienen. Darin sind Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme vor Ort von den Forstleuten überwacht.
Über ForstBW
Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei.
Pressekontakt:
ForstBW -Forstbezirk Schönbuch-
Schoenbuch@forstbw.de

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