Ein Spaziergang im Wald, die Sonne scheint durchs Blätterdach, die Vögel zwitschern. Um unseren heimischen Vögeln und anderen höhlenbewohnenden Tieren günstige Lebensräume und Brutmöglichkeiten zu bieten, lassen die Förster Höhlenbäume stehen und hängen zusätzlich Nistkästen auf. Damit leisten sie nicht nur einen Beitrag zum Naturschutz, sondern gewinnen durch die Kontrolle der Kunsthöhlen, das sogenannte „Nistkastenmonitoring“, auch wertvolle Erkenntnisse für die Forschung.
Diese Kontrollen finden zweimal jährlich statt. Im Frühjahr kontrolliert der Förster, wie viele Nistkästen bereits angenommen wurden und wie viele Eier oder Jungvögel sich darin befinden. Die wichtigere Kontrolle ist aber die zweite, die im Herbst vorgenommen wird. Hierbei sieht der Förster, wie erfolgreich die Bruten verlaufen sind und was sich im Laufe des Sommers sonst noch im Nistkasten getan hat. Während kleine Federschüppchen im Nest auf ein erfolgreiches Ausfliegen der Jungvögel schließen lassen, ist bei liegengebliebenen Eiern der Misserfolg offensichtlich. Gleichzeitig säubert der Förster den Brutkasten und entfernt das Nest. Dies ist notwendig, da die Vögel ihr Nest jedes Jahr neu bauen und sonst bald der Platz ausgehen würde.

Als Spezialisten für das Nistkastenmonitoring gelten im Landkreis Böblingen die Revierförster Winfried Seitz im Forstrevier Herrenberg-Haslach und Gerhard Malisi im Forstrevier Ehningen. Sie konnten in den vergangenen Jahren schon viele Daten sammeln und einen erfreulich hohen Bruterfolg im Landkreis dokumentieren. Am häufigsten sind Kohlmeise und Blaumeise in den Nistkästen zu finden, aber auch viele andere Vogelarten wie Kleiber oder Halsbandschnäpper wurden festgestellt. Außerdem wurden in den Wäldern im Kreis Böblingen inzwischen sieben verschiedene Fledermausarten in Nistkästen bestätigt, darunter auch die für FFH-Gebiete relevante Bechstein-Fledermaus. Auch andere Säugetiere wie z. B. Siebenschläfer oder die seltene Haselmaus nutzen den Schutz der Nistkästen gerne zur Aufzucht ihrer Jungen. Einige Insektenarten wie Hornissen, Hummeln und Wespen sind ebenfalls regelmäßig in Nistkästen zu finden.
Das Projekt kann also als Erfolg verbucht werden. Von den ca. 10.000 Nistkästen, die in Baden-Württemberg für das Nistkastenmonitoring gemeldet sind, werden regelmäßig um die 90 % von verschiedensten Lebewesen angenommen.

Dabei werden immer wieder „Überraschungsgäste“ in den Quartieren entdeckt und die Förster haben schon ganze Sammlungen von Anekdoten über ihre Kontrollgänge. Durch die langfristig angelegten Aufzeichnungen seit den 50er Jahren konnten aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse über die Populationsentwicklung verschiedener Tierarten gewonnen werden. So wurde zum Beispiel nachgewiesen, dass sich der Fledermausbestand mit Beginn der Naturschutzgesetzgebung Mitte der 70er Jahre wieder erholen konnte. Auch die Kleiberpopulation ist in den letzten dreißig Jahren gewachsen, während der Freiflächen bevorzugende Gartenrotschwanz durch steigende Holzvorräte aus dem Wald in die Gärten gedrängt wurde.