Schönbuch-Naturparkführer jetzt mit bundesweit einheitlichem Zertifikat
   
 

Was blüht denn da am Wegesrand? Wie heißt der Vogel, der in der Hecke singt? Was sollen die alten Steinmauern mitten im Gebüsch? Diese und andere Fragen können immer weniger Menschen beantworten. „Doch Umwelt kann nur schützen, wer Natur kennt und deshalb soll der Wissenserosion in Sachen Natur, Heimat und Landschaft entgegengewirkt werden“, so Karin Blessing, stellvertretende Leiterin bei der Umweltakademie Baden-Württemberg und dort für die Zertifizierung zuständig. Während Natur Hochkonjunktur habe und ein immer größerer Teil der Bevölkerung schöne Landschaften aufsuchen und sich im Freien aufhalten wolle, wüssten auf der anderen Seite immer weniger Menschen über Tiere und Pflanzen und Zusammenhänge der Kulturlandschaft Bescheid.
Für Hubertus Windthorst, Vorsitzender des Naturparks Schönbuch „droht mit dem Generationenwandel wertvollstes Wissen verloren zu gehen; auch, weil immer weniger Menschen in der Land- und Forstwirtschaft aufwachsen. Zudem werden viele Kenntnisse etwa über die Nutzung von Wildkräutern und heimischem Obst sowie der entsprechenden Pflege der Baumwiesen in den Familien nicht mehr weiter vermittelt“.

Dieser Entwicklung soll nicht mehr tatenlos zugesehen werden. Im Verbund mit den Naturparken, der Umweltakademie Baden-Württemberg, den staatlichen und privaten Naturschutzzentren, den Umweltverbänden sowie Heimat- und Wandervereinen soll durch einen möglichst flächendeckendes Netz so genannter Landschaftsführer geholfen werden, die Menschen ohne erhobenen Zeigefinger wieder stärker an die Natur heranzuführen und wertvolles Wissen über Heimat und Landschaft auf lebendige und spannende Art zu vermitteln. Handeln bevor es zu spät ist, lautet das gemeinsame Ziel.

Im Naturpark Schönbuch stellen die Landschaftsführer eine sinnvolle Ergänzung zu den forstlichen Führungen der zuständigen Revierleiter dar.

Der Umweltakademie ist es gemeinsam mit den Partnerinstitutionen in den anderen Bundesländern sowie den Organisationen EUROPARC, Bundesverband Naturwacht e.V., Europarc Deutschland, Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN) und Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU) gelungen, bundesweit ein gleichermaßen innovatives wie kostengünstiges Schulungs- und Zertifizierungsmodell für Landschaftsführer zu etablieren. Die Grundidee: Leute in Vereinen aber auch Einzelpersonen und auch solche, welche mit der Naturvermittlung durchaus Geld verdienen können, erhalten einen mindestens 70 Stunden umfassenden Grundkurs, der mit einer Prüfung endet. Dabei werden naturkundliche Grundlagen der einzelnen Regionen, in denen die Kurse stattfinden ebenso vermittelt wie Grundlagen zur Ökologie und zur jeweils typischen Tier- und Pflanzenwelt. Ausgehend von der Tatsache, dass unsere Landschaften vom Menschen geprägt sind, spielen Landnutzung, regionale Wirtschaftsentwicklung, regionale kulturelle Aspekte sowie der geschichtliche Hintergrund einer Kulturlandschaft bei der Landschaftsführer-Ausbildung eine wichtige Rolle. Weitere Punkte sind Kommunikation und Führungsdidaktik sowie Recht und Marketing. All diese Inhalte wurden auch bei der Naturparkführerausbildung im Schönbuch bereits 2002/2003 berücksichtigt. Somit konnten diese jetzt auf Antrag auch das bundesweit gültige BANU – Zertifikat bekommen.
„Die jetzt zertifizierten Naturparkführer führen interessierte Naturliebhaber fachkompetent durch heimische Landschaften und sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Tourismus, Landschaftsmanagement und Umweltbildung“, betont Hubertus Windthorst. „Dabei vermitteln Landschaftsführer nicht nur qualifiziert die faszinierenden Landschaften des Schönbuchs, sondern helfen auch, diese zu vermarkten. „Landschaftsführer helfen somit Landschaft Inwert zu setzen“.


 

Landschaftsführer im Einsatz

 

 

Für die Umweltakademie bedeuten Landschaftsführer noch viel mehr. Dort ist man immer auf der Suche nach neuen Wegen zur Vermittlung von Wissen über Natur und Landschaft. Denn nur wer etwas über die heimische Landschaft wisse, könne sich für deren Erhalt einsetzen. Landschaftsführer tragen durch ihre qualifizierten Führungen mit Erlebnischarakter nicht nur zur Wissensvermittlung und somit zur Umweltbildung bei, sondern helfen auch der Wissenserosion in Sachen Natur und Heimat Einhalt zu gebieten. Sie sollen künftig auch mobile Vermittler von Umwelt- und Naturthemen und Zusammenhängen in der Landschaft sein. Sie erklären Landschaftsformen, vermitteln Naturwissen, vermitteln kulturelle und historische Highlights der jeweiligen Gegend und tragen über diese Sensibilisierung zu einer bewussteren Landschaftswahrnehmung bei.
„Das bewusste Erleben der Landschaft unter fachkundiger Führung hat, auch etwas mit der Wiederentdeckung von Heimat und von heimischer Natur und Kultur zu tun – quasi als Gegenpol zu Globalisierung und vielfachen Entwurzelung“, so der Naturparkvorsitzende Windthorst. „Nicht zuletzt ist Wandern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und trägt zur Gesundheitsförderung bei. Bewusstseinsbildung für Landschaft ist jedoch Voraussetzung für deren Wertschätzung, beides sind Komponenten, um sich aktiv für den Erhalt von Natur und Landschaft zu engagieren“.

Die Umweltakademie begrüßt die vielfältigen Initiativen der von Naturparken, Schwarzwaldverein, Albverein, Forstbeamten, Naturschutzbund und anderen Verbänden ausgebildeten Landschaftsführern im Land und wertet dies auch als Reflexion der vielfältigen Landschaften Baden-Württembergs.
Nach Angaben der Umweltakademie gibt es nun im Land eine ganze Reihe bereits nach BANU zertifizierter Lehrgänge, deren kompetente Teilnehmer für die Natur sensibilisieren und Naturwissen vermitteln.

Im Naturpark Schönbuch sind es ab sofort sechs frischgebackene Naturparkführer, deren Dienste über folgenden Kontakt gebucht werden können:

Margit Elgner-Eisenmann

07073 1432

mar-e@web.de

Ludolf Bertram

07032 957 200

ludolf.bertram@web.de

Im Rahmen des Veranstaltungskalenders 2009 kann ebenfalls an einigen Führungen der zertifizierten Landschaftsführer teilgenommen werden.


 

Urkunde